Propeller '52
Günter Otto Werk
Die Vorgeschichte beginnt im Juli 1939.
Kurz vor Kriegsausbruch.
Flughafen Rhein - Main.
Stippvisite auf einer HJ - Fahrt zum Rhein.
Da warteten sie auf bessere Zeiten.
Die sollten aber nicht mehr kommen.
Zwei Zeppeline LZ 127 und LZ 129.
Zu den Akten gelegt in zwei großen Hallen.
Eine davon unser Ziel.
Der Gang durch
die riesengroße Zigarre,
teilweise auf Planken.
Abenteuerliche
Unterkünfte
für die Besatzung.
Der Komfort für
die Fluggäste.
Die Technik.
Unvergessene Eindrücke.
Und die Erinnerung
an die <Hindenburg>.
Damals bereits traurige
Legende und
Schrott mit Asche
in Lakehurst/USA.
Graf Zeppelin
Dreizehn Schicksalsjahre später.
Februar 1952. Der Anfang meiner
Kurzgeschichte. Wieder Rhein - Main
Flughafen. Und wieder in Uniform.
Dunkelblau mit Rangabzeichen und
Uniformmütze. SAS, die Skandinavische
Luftverkehrsgesellschaft. Ein
kommerzieller Zusammenschluß von
Schweden, Dänemark und Norwegen.
Flugzeuge: DC 7, DC 6, DC 4 und DC 3
Passagierliste Weltfahrt 1929
Der Flughafen: Großflächig
und übersichtlich. Eine
zivile und eine
militärische Basis.
Der zwerghafte
Beginn einer großartigen
Zukunft. Das Terminal mit
dem weißen Hochhaus.
Fluglotsenausblick.
Abflug und - Ankunfthalle.
In Fußgängerreichweite
die einzelnen
Positionen für Flugzeuge.
Und das Besucher - Cafè
mit Gratisblick
Die große Flugzeughalle
der PAA. Im Anschluß daran
die Luftfrachtbüros: PAA, KLM,
Swiss Air, JAT, Sabena, TWA,
Air France, BEA. Dazwischen
mein Betätigungsfeld für fast
vier Jahre. SAS Cargo Department.
Auf der südlichen Seite im Blick
die US Airforce Base Rhein-Main.
Eine Überraschung für mich:
Die Doppelrumpf - Lightnings
flogen immer noch.
15. Januar 1943.
Flughöhe 1000 Meter
Es war keine freundschaftliche
Begegnung zwischen
Trapani/Sizilien und Tunis.
Sie kam plötzlich und
hinterrücks. Die Lightning.
Eine gut gezielte Salve
zerfetzte einen der drei
Propeller, durchlöcherte den
Treibstofftank und
beschädigte die Kabine.
Sie war beladen mit
Muliausrüstung für
die Gebirgsjäger in Tunesien. -
Die mit Wellblech
ummantelte JU 52
sollte und wollte nicht
abstürzen. Nach dem
plötzlichen Angriff kam
uns die Lightning
auf der linken Seite
entgegen. Der Pilot war
deutlich zu erkennen,
sein Erstaunen fast zu spüren.


Da war nun die Hektik
einer zeitlich sehr begrenzten
Luftfrachtabfertigung.
Alles neu und interessant.
Die Kollegen ein zusammen=
gewürfelter Haufen.
Sieben Jahre nach Kriegsende.
Der Abteilungsleiter
ein alter Ostfrontkämpfer.
Sein Vokabular bereichert
mit unflätigen russischen
Kraftausdrücken. Er hatte
die lange Gefangenschaft
in Sibirien gut überstanden.
Seinen Schreibtisch verließ
er oft. Die Kantine war nicht weit. -
Und Anton, aus dem Sudetenland.
Zwangsweise wurde er zum
KZ-Bewacher bis zum Ende
des Krieges. Alfred, in meinem
Alter, im Frühjahr 1945 saß er
noch am Steuerknüppel einer
ME 262. Das erste Düsen -
Kampfflugzeug.
Im Getümmel der präzis abgestimmten
vielseitigen Arbeit ging er fast unter:
Der Ex-Luftwaffengeneral.
Er ist alt geworden.
Vor einigen Monaten
las ich seine Todesanzeige
in der Frankfurter Allgemeinen
Zeitung (2004).

Da waren noch zwei ehemalige
Luftwaffenpiloten. Der eine
flog viele Jahre später bei
der neugegründeten
Deutschen Lufthansa eine
Super-Constellation.
Der andere fand
bald eine Anstellung
bei der Middle East Airlines
in Beirut als Kapitän
einer Vickers Viscount
und wechselte
später zur Lufthansa.
Die Arbeit: Schichtdienst.
Flugzeuge fliegen zu jeder
Tages- und Nachtzeit,
sonn -und feiertags.
Die DC 3's der SAS
waren das Rückrat
der damaligen innerdeutschen
Verbindungen: Hamburg,
Düsseldorf, München,
Stuttgart, Nürnberg,
Bremen, Hannover.

International ging es über
Cairo, Karachi, Bangkok
nach Tokio. Dann über
Zürich/Genf via Lissabon,
Dakar nach Rio de Janeiro,
Santiago de Chile oder Buenos Aires.
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